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Verkaufen mit Verstand

Haus verkaufen: Mit oder ohne Makler – und die Spekulationsfrist, die über Zehntausende entscheidet

Zuletzt aktualisiert: 16.07.2026

Vor dem Preisschild stehen zwei Weichen: die Steuerfrage (10-Jahres-Frist!) und die Vertriebsfrage. Beide in der falschen Reihenfolge zu klären ist der teuerste Anfängerfehler.

Zuerst die Steuer: die 10-Jahres-Frist

Verkaufen Sie eine Immobilie innerhalb von zehn Jahren nach Anschaffung mit Gewinn, ist dieser als privates Veräußerungsgeschäft (§23 EStG) voll einkommensteuerpflichtig – bei den Wertsteigerungen der letzten Dekade schnell ein fünfstelliger Steuerbetrag. Die Frist läuft von Kaufvertrag zu Kaufvertrag (Notartermine!). Die große Ausnahme: Eigennutzung – steuerfrei ist der Verkauf, wenn Sie das Objekt entweder durchgehend seit Anschaffung selbst bewohnt haben oder im Verkaufsjahr und den beiden vorangegangenen Kalenderjahren (angebrochene Jahre genügen – im Extremfall reichen gut 12 Monate über drei Kalenderjahre). Für frühere Vermieter kann gezieltes Selbst-Einziehen vor dem Verkauf also bares Geld wert sein. Und wer mehrere Objekte in kurzer Zeit verkauft, sollte die Drei-Objekt-Grenze kennen: mehr als drei Verkäufe in etwa fünf Jahren können als gewerblicher Grundstückshandel eingestuft werden – mit Steuerfolgen weit über §23 hinaus. Bei Erbschaften übernimmt der Erbe die Fristen des Erblassers. Im Zweifel: vor dem Notartermin steuerlich beraten lassen, nicht danach.

Makler oder privat?

Die Provision liegt regional meist bei insgesamt 5–7 Prozent inkl. MwSt.; bei Verkäufen an Verbraucher (Einfamilienhaus/Wohnung) gilt die Teilung – der Käufer zahlt höchstens die Hälfte, mindestens die Hälfte trägt, wer den Makler beauftragt. Pro Makler:Marktpreis-Einschätzung, Käufer-Vorprüfung (Finanzierungsbestätigung!), Verhandlungspuffer, Zeitersparnis – gute Makler holen die Provision über den Preis oft wieder rein. Pro Privatverkauf: volle Ersparnis, sinnvoll bei gefragten Lagen mit Standardobjekt und wenn Sie Besichtigungs-Marathon und Preisverhandlung selbst stemmen. Der Mittelweg für Unentschlossene: professionelle Wertermittlung zuerst – der falsche Angebotspreis (zu hoch = Ladenhüter-Stigma, zu niedrig = verschenkt) kostet mehr als jede Provision.

Unterlagen-Checkliste

Grundbuchauszug (aktuell), Energieausweis (Pflicht ab Anzeige!), Grundriss und Wohnflächenberechnung, Baubeschreibung/Baugenehmigungen (auch für Anbauten und den Wintergarten – fehlende Genehmigungen platzen im Notartermin), Sanierungsnachweise mit Rechnungen, bei Wohnungen: Teilungserklärung, drei Versammlungsprotokolle, Wirtschaftsplan, Rücklagenstand.

Wert steigern kurz vor dem Verkauf – was lohnt

Große Sanierungen holen ihr Geld selten zurück; kleine Maßnahmen schon: Mängelliste abarbeiten (tropfende Armaturen, defekte Rollläden), neutral streichen, entrümpeln (unsere Kosten-Übersicht), Garten aufräumen, gute Fotos bei Tageslicht. Der erste Eindruck bepreist sich – der Rest wird verhandelt.